Emma Zorn
Emma Zorn (geborene Lamm, 1860-1942) gehörte einer gut situierten, bürgerlichen und aus Stockholm stammenden Familie an. Ihr Vater hieß Martin Lamm und war Großhändler in der Textilbranche, ihre Mutter hieß Henriette, geborene Meyerson. Das Paar bekam drei Kinder - Herman, Anna und Emma.
Die Familie, die von jüdischer Abstammung war, hatte starke kulturelle Interessen und führte ein intensives Gesellschaftsleben. In deren Bekanntenkreis gab es viele Künstler und die Kunst ist auch der Grund für ein Zusammentreffen von Emma und dem gleichaltrigen Anders Zorn. Sie war nämlich Babysitter für ihren Neffen Nils, als dieser im Winter 1881 von Zorn porträtiert werden sollte. Die beiden verliebten sich auf den ersten Blick ineinander.
Im Sommer 1885 – als das Paar schon vier Jahre lang heimlich verlobt gewesen war – konnte Zorn die Familie Lamm davon überzeugen, dass er imstande war, sich und Emma durch seine Kunst zu versorgen. Am 2. Juli gaben die beiden ihre Verlobung bekannt und am 18. Oktober fand die bürgerliche Hochzeit statt.
Kurz vor der Hochzeit hatte Emma zusammen mit ihrer Mutter Mora und die Familie ihres werdenden Mannes besucht. Trotz aller Unterschiede mochte Emma Zorns Familie auf Anhieb. Dieses positive Zusammentreffen hatte eine entscheidende Bedeutung für sie und sorgte dafür, dass sie auch in Zukunft einen guten Kontakt mit der Verwandtschaft und den Einwohnern Moras hatte.
Nach einigen Jahren intensiven Reisens, u.a. eine Hochzeitsreise nach Konstantinopel (Istanbul), wo Zorn schwer an Typhus erkrankte, wurde das Ehepaar 1889 in Paris sesshaft, wo es ihr erstes gemeinsames Zuhause einrichtete. In Emmas Erziehung hatte das Kochen keine Rolle gespielt, deshalb wurde sie jetzt auf eine harte Probe gestellt. Allerdings besaß sie ein großes organisatorisches Talent und war dann auch diejenige, die sich um die Kontakte ihres Mannes zu Ausstellern, Museen, Verlegern und Transporteuren kümmerte.
Im Jahre 1896 kehrte das Ehepaar Zorn nach Schweden zurück. Das Wohnhaus Zorngården in Mora wurde zu ihrem festen Punkt im Leben, wo ständig etwas los war. Zu den Freunden, die die Gastfreundschaft der Zorns genossen, gehörten der Schriftsteller Erik Axel Karlfeldt, der Künstler und Adelige Prinz Eugen, der Künstler und Schriftsteller Albert Engström, der Maler Bruno Liljefors sowie das Ehepaar Carl och Karin Larsson. Ab und zu war Emma jedoch ganz froh, dass sie „drei Tage lang“ keinerlei Gäste gehabt hatten.
Auch die Einwohner Moras bekamen die Fürsorge der Zorns zu spüren. Unterstützt von ihrem Ehemann engagierte sich Emma in einer Reihe von lokalen Aktivitäten, wie beispielsweise die Volksbibliothek und den Handwerksverein. Auch das Kinderheim hatte ihr seine Existenz zu verdanken sowie die Mora Volkshochschule, die aufgrund ihres Engagements und finanzieller Unterstützung sowie der ihres Mannes zustande kam.
Bis Ende der 1890er Jahre schien das Verhältnis zwischen Emma och Anders Zorn in der Hauptsache glücklich gewesen zu sein, aber danach wurde es mehr von Reibereien geprägt. Ihre Beziehung wurde mehr und mehr wie das zweier Freunde, die aufeinander angewiesen waren.
Nach dem Tod ihres Mannes veränderte sich Emmas Leben radikal. Jetzt war sie dafür verantwortlich, das Erbe des großen Meisters weiterzuführen. Sie sorgte für die Entstehung des 1939, drei Jahre vor ihrem Tod, eingeweihten Zornmueums.
Emma Zorn war für ihre Zeit eine radikale, kontaktfreudige und realistische Frau. Sie verabscheute Verlogenheit und Schmeicheleien und viele priesen von ihre Intelligenz, ihre Schlagfertigkeit und ihr schallendes Gelächter.


